Suchbegriff:   User: Pass:

Blog

Betonwüste oder Paradies

Der Tod der ökologischen Vielfalt

Wie ein Ökosystem funktioniert

Igelzeit

Deutschland-Schnäppchenland

Freizeitspass auf Kosten der Natur

Das Märchen vom Wald

Aktiver Amphibienschutz

Lebensraum für Kreuzkröte und Zauneidechse

Der Kammmolch

Gnade für die Kreuzotter!

Fehler im Gästebuch-Script

Faszinierendes Moor

Warum in der Ferne schweifen....

Eine Chance für die Kreuzkröten

Die 4. Revolution - Der Film

Die Kreuzkröten geben ihr Konzert

von René, geschrieben am 17. 04. 2010:

Wir sind auf dem Gebiet einer Erddeponie, wo eine ehemalige Sandgrube verfüllt werden soll. Da nur Materialien der LAGA-Kategorien Z0 und Z1.1. (unbelastete Erden) hier zur Verfüllung dienen, sind die Tümpelchen oder Wasseransammlungen in den Fahrspuren chemisch nicht belastet. Die Sonne steht ganz tief am Horizont und geht dann auch unter. Es wird immer dunkler und man hört aus dem nahen Wald viele verschiedene Vogelstimmen. Vor allem das Trällern der Blaumeise hallt über die Ebene der Deponie. In der Ferne hört man das Rauschen der vorbeirasenden Fahrzeuge einer Autobahn. Es ist jetzt fast ganz dunkel.

Nach zwanzig Minuten sind die meisten Vögel nun verstummt, und das einzige Hintergrundgeräusch kommt nun von der Autobahn. Wir stehen mitten auf der Deponie, ringsum Haufen von Erde, Schutt und Geröll; dazwischen immer mal eine kleine Wasseransammlung. Weiter unten befindet sich eine plattgefahrene Ebene, wo sich ebenfalls Wasser in Fahrspuren gesammelt hat. Plötzlich geht es los: Ein lautes Zirpen hallt durch die Nacht. Aber anders als bei Singvögeln oder Grashüpfern. Es scheint von weit her zu kommen. Ein recht heller, beinahe metallisch anmutender Ton. Und dann: Ein zweites Zirpen beginnt. Zwei Minuten später hat sich das Gezirpe beinahe zu Lärm entwickelt. Von oben, von weiter unten auf der Deponie.... die Geräusche scheinen von überall gleichzeitig zu kommen. Wir schalten unsere Taschenlampen ein, und versuchen uns, auf eines der Zirplaute zu fixieren.

Im Scheinwerferlicht der Taschenlampe, direkt an einer Wasseransammlung sehen wir dann auch die Verursacher des nächtlichen Konzertes: Kleine, auf den ersten Blick wie Erdkröten ausschauende Froschlurche. Das Zirpgeräusch (also von "Quaken" kann man hier wirklich nicht reden) erzeugen sie dadurch, dass sie ihre Mundböden (mit Hilfe derer sie normalerweise Atemzüge machen) zu mächtigen Kehlsäcken auftreiben. Es sind allesamt Männchen, die auf diese Art und Weise die Weibchen rufen wollen.

Kreuzkröten haben sich eine ganz besondere Strategie "ausgedacht", was ihre Fortpflanzung angeht: Anstatt in stehende Gewässer abzulaichen, in welchen es auch Libellenlarven, Gelbrandkäfer oder andere Fressfeinde gibt, laichen sie in Pfützen ab, die einfach zu schnell austrocknen, als dass sich diese Fressfeinde dort ansiedeln könnten. Sie gehen dabei das Risiko ein, dass die Pfützen austrocknen, noch bevor die Jungkröten das Wasser verlassen können. Doch entwickeln sich Kreuzkrötenkaulquappen in einer immensen Geschwindigkeit: Es wurde beobachtet, dass sie es manchmals in knapp 3 Wochen schaffen können, aus ihren Eiern zu schlüpfen, ihre Hinter- und Vorderbeine zu bekommen und an Land zu krabbeln.

Kreuzkröten sind unter den Tieren das, was die Birke unter Pflanzen ist: Die Pioniere, wenn es um die Besiedlung von brachliegenden Flächen geht. Natürlich kommt sie in Heidelandschaften oder Wiesen vor, wo sie eben kleine, austrocknende Gewässer vorfinden kann. Da solche Landschaftstypen sehr leicht urbar gemacht werden können, sich zu dem sehr gut als Siedlungsland eignen, gehen ihre Lebensräume immer mehr zurück: Die Kreuzkröte zählt zu unseren gefährdeten Tierarten. Jedoch sind sie flexibel und können schnell in neu entstandenen, geeigneten Lebensräumen, wie etwa aufgelassene Sandgruben siedeln. Leider werden auch diese, wie hier in unserem Fall, verfüllt und dann anderweitig genutzt. Doch der Betreiber der Deponie hat schon letztes Jahr dafür Sorge getragen, dass die Tümpelchen mit den Kröten nicht beeinträchtigt wurden. Wenn das dieses Jahr auch geht, haben die Krötchen wieder ein Jahr gewonnen. Und wir damit auch. Bis sich eine Möglichkeit ergibt, die Tiere ortsnah umsiedeln zu können. Bis auf einige Hundert Meter ist dies möglich. Wer weiß, vielleicht lässt es sich ja einrichten, dass ein Streifen am Waldrand so belassen werden kann, wie er jetzt ist: Mit Sandhängen und kleinen Gewässern, die schnell austrocknen. Denn dann hätten die Kreuzkröten eine dauerhafte Heimat gefunden. Und mit ihnen einige andere, hier selten gewordene Tiere.


Amphibienschutz vor Ort