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Betonwüste oder Paradies

Der Tod der ökologischen Vielfalt

von Kristina, geschrieben am 16. 05. 2012:

Eine richtige bunte Blumenwiese auf der sich unzählige Insekten tummeln ist heute zur Seltenheit geworden. Es blühen allenfalls eintönig gelbe Wiesen aus Löwenzahn und Hahnenfuß getupft mit Rot- und Weißklee. Viel mehr kann auch gar nicht wachsen auf einer überdüngten Wiese.

Unsere Landschaft ist, abgesehen von Industrie und versiegelten Baugebieten, geprägt von landwirtschaftlichen Flächen. Das ist eigentlich nichts Neues. Seit der Mensch sesshaft wurde veränderte er das Land auf dem er lebte. Damit zerstörte er aber nicht nur Lebensräume, er schuf auch neue. Dort wo er Wälder rodete entstanden Weideflächen und damit auch ein wertvoller neuer Lebensraum. Die so genannten Kulturfolger, das sind Tiere aber auch Pflanzen, die dem Menschen in ihre Siedlungen folgen, nutzen künstlich erschaffene Lebensräume. Der Weißstorch ließ sich auf den Dächern der Dörfer und Städte nieder, die Feldmaus nutze das reiche Nahrungsangebot der Felder und dem Heuboden. Auch der Igel sucht seit je her die Nähe menschlicher Siedlungen. Genauso wie der Turmfalke oder die Schleiereule die gerne unter dem Dach alter Gebäude brüten. Aber auch die Gelbbauchunke nutzt gern die mit Wasser gefüllten Wagenspuren der Bauern um dort zu laichen.

Streuobstwiesen und Hecken bilden Ersatzlebensräume für unzählige, heute seltene Tier- und Pflanzenarten. Der Gartenrotschwanz, der Steinkauz, der Schwarzspecht, Wildbienenarten und Schmetterlinge wie der Wachtelweizenscheckenfalter oder der russische Bär gehören zu ihnen um nur eine paar zu nennen. Solche Biotope bilden auch die so genannten Hutanger auf Steilhängen oder die Hutewälder, das sind uralte genutzte Weideflächen mit altem Baumbestand, oft kargen steinigen Böden mit Wildkräutern auf denen Schafe, Ziegen, Kühe und Schweine gehalten wurden und werden sofern sie noch erhalten sind. Dies sind Beispiele für die Symbiose von Mensch und Tier die seit Jahrhunderten existierten.

Doch seitdem die Landwirtschaft weitgehend nicht mehr von kleinbäuerlichen Familienbetrieben gepflegt wird, die seit dem Beginn des Ackerbaus und der Viehzucht das Bild einer Landschaft prägten hat sich viel, zu viel zum Schlechten hin gewandelt. Heute ist sie in der Hand der industrialisierten Großkonzerne, die sich mehr als Fabriken als als Bebauer und Nutzer fruchtbaren Bodens sehen. Die kaum mehr eine Verbindung zwischen Natur, Tier und Mensch herstellen. Doch diese Verbindung merkt man spätestens beim nächsten Lebensmittelskandal wenn Antibiotikarückstände in Fleisch und Eiern nachgewiesen werden.

Vor der Industrialisierung der Landwirtschaft, als die Kleinbauern noch ohne Kunstdünger und Pestizide auskamen gab es reichlich Lebensraum für Wildtiere - und Pflanzen. Im und auf dem Ackerboden, zwischen den Feldern in den Hecken und auf blühenden Feldstreifen, auf Streuobstwiesen und auf bunten Magerwiesen zwischen Schafen und Kühen, selbst in Getreidefeldern tummelte sich das Leben. Doch heute sind die Äcker wie leer gefegt, in Monokulturen von Mais oder genmanipuliertem Getreide lebt nicht einmal mehr ein Regenwurm.

Denn diese Gifte vernichten alles, nicht nur die unliebsamen „Schädlinge“ sondern mit ihnen auch gleich die Tiere die diese ganz umsonst vertilgen würden. Insekten wie Marienkäfer die Blattläuse fressen, Amphibien wie Erdkröten, die gerne in den Feldern sitzen und Unmengen an Insekten, Raupen und Schnecken vertilgen, genauso gerne frisst diese auch der Igel und alle Vögel. Auch Bienen und Hummeln ohne die wir praktisch verhungern würden, leisten mit ihrer Bestäubung einen wichtigen Beitrag zu unserer Ernährung. Ohne sie würden Obstbäume und viele Gemüsesorten keine Früchte tragen.

Ohne diese Agrargifte hielt sich das Gleichgewicht von so genannten „Schädlingen“ und ihren Feinden in der Waage. Doch heute ist selbst unsere heimische Honigbiene die eins auf bunt blühenden Wiesen vom Frühling bis in den Herbst hinein Pollen und Nektar sammelte bedroht durch die Agrarindustrie. Beharrt die Landwirtschaft weiterhin auf den Einsatz hochgiftiger Pestizide und Pflanzenschutzmitteln dann werden wir uns bald unsere eigene Existenz zugrunde machen.

Neben den Giften die die Landwirtschaft heute im großen Stil einsetzt unterbindet die Flurbereinigung, alleine das Wort ist abscheulich, jegliche ökologische Vielfalt. Selbst die dünnen Streifen zwischen den Feldern auf denen Wildblumen und Kräuter wuchsen die einen Minilebensraum für heute bedrohte Schmetterlinge oder Wildbienen boten sind heute weitläufig verschwunden. Uralte Hecken die früher noch landwirtschaftlich genutzt wurden (aus einzeln entnommenen Zweigen wurden einst Reisigbesen gebunden), Ziegen hielten die Hecken in Schach. Heute werden solche Kleinode großflächig dem Erdboden gleich gemacht. Dadurch nimmt man unzähligen Tieren Brut- und Nahrungsstätte zugleich. Einst wurden Wildblumen- und Kräuterwiesen von Schafen und Kühen beweidet. Diese gaben eine gesunde und aromatische Milch. Es gab sogar noch Wanderschäfer die durch die Lande zogen und den Bauern die Wiesen mit ihren Tieren kurz hielten. So konnten sich Samen durch Wind und Fell überall verbreiten. Heute hat kaum eine Blume eine Chance überhaupt zu wachsen bevor sie abgemäht wird geschweige denn Bienen sie bestäuben können oder sie ausgesamt hat für das kommende Jahr.

Die riesigen Monokulturen bieten keinem Insekt mehr Nahrung. In genmanipulierten Maisfeldern findet kein Tier einen geeigneten Lebensraum. Nichts wächst zwischen den Pflanzen. Der riesige Mais nimmt jeder anderen Pflanze das Licht und die Nährstoffe aus dem Boden. Die Gifte nehmen allem Leben die Grundlage. Selbst nach Jahren, wenn der Mais längst abgeerntet ist gedeiht auf diesen Feldern kaum mehr etwas ohne nicht künstlich mit Tonnen voll Dünger nachzuhelfen. Wächst dort wieder Wiese, so blüht außer Löwenzahn und Hahnenfuß, den Stickstoffanzeigern schlecht hin kaum wertvolles Bienenfutter.

Ist es das wert? Für den Überfluss in dem wir in den Industriestaaten leben. Während anderswo Menschen keinen Boden haben auf dem sie ihre Lebensgrundlage erwirtschaften. Weil wir diese Flächen brauchen für das Futter unserer Tiere. Weil wir jeden Tag Fleisch wollen und unsere Felder alleine für unseren Energiehunger an Brennstoffen für unsere Autos und Heizungen der Industrie dienen. Um noch mehr Lebensmittel weg werfen zu können und noch mehr Flächen zu verbrauchen. Das wir immer ernten können und kein Fleckchen Erde bloß für ein bisschen Natur verschwendet wird. Ist es das wirklich wert? Um welchen Preis? Uns krank zu essen an Nahrung die mehr Giftstoffe in sich hat als Nährwert? Früher gab es noch die Dreifelder- Wirtschaft, das heißt ein Drittel eines Feldes lag ein Jahr brach. Immer ein anderer Teil, so wurde gewährleistet dass sich dort der Boden von der Bestellung erholte. Dieser Teil wurde dann als Weide für das Vieh genutzt. So machte man das schon seit dem Mittelalter oft noch bis zur Industrialisierung und darüber hinaus. Bereits die Römer kannten die Zweifelder- Wirtschaft.

Heute ist das in der Lebensmittelbranche schon lange kein Thema mehr, schließlich will der Verbraucher immer frische Ware. Genauso dürfen Ernteausfälle die früher der Normalfall waren nicht sein. Normal ist aber das die Hälfe aller Lebensmittel nach der Ernte und spätestens beim Verbraucher weg geworfen wird weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Das passiert tagtäglich überall in den Industriestaaten. Es wird einfach hingenommen als wäre es ein unumgänglicher Zustand an dem man nicht rütteln kann. Der Kunde will schließlich noch Freitagabend um 8.00 Uhr sein frisches Brot und auch im Dezember frische Erdbeeren auf den Tisch. Aber muss das wirklich sein das wir vor vollen Regalen stehen und uns nicht entscheiden können zwischen 50 verschiedenen Käsesorten und 30 Marken Tomatensoße. Komischerweise sucht man diese Auswahl bei den Kartoffeln, den Tomaten oder Äpfeln vergeblich. Da gibt es nämlich nur den üblichen Einheitsbrei aus langweiligem Geschmack und gewöhnlichem Äußeren. Nicht aber etwa robuste Sorten die auf kargen Böden wachsen, in unserem Klima gedeihen oder sogar noch gegen Schädlinge resistent sind. So etwas findet man im Supermarkt vergeblich.

Alte Sorten wurden jahrelang ganz vernachlässigt und sind heute fast vergessen. Aus dem einfachen Grund da diese ganz einfach oft ihre Zeit brauchen zum Wachsen, Gedeihen und groß werden. Und Zeit kostet Geld in unserer kapitalistisch geprägten Welt. Es ist schon sonderbar, auf der einen Seite muss alles rentabel sein, die Felder werden mit Giften gedüngt, die Pflanzen gespritzt, damit kein Pflänzchen für die nützlichen Insekten übrig bleibt. Auf der anderen Seite landen Tonnen von Lebensmittel auf dem Müll. Ein Teufelskreis aus Überfluss und Verschwendung während durch unseren Fleischeshunger anderswo Menschen verhungern weil kein Getreidekorn mehr für sie übrig bleibt. Ganze Urwälder werden gerodet, Dörfer umgesiedelt in den ärmsten Ländern der Welt nur um Tonnen Soja für das Viehfutter unserer Schweinemastfabriken anzubauen. Damit wir jeden Tag billiges Fleisch voller Antibiotika und Agrargiften essen können. Dazu vielleicht noch einen gespritzten Tomatensalat aus roten saftig-wässrigen Tomaten aus der Wüste Spaniens? Die mit literweise Trinkwasser gegossen und dann quer durch halb Europa gefahren wurden bis sie zu uns kamen. Wer will das eigentlich wirklich?

Ein Umdenken ist eigentlich längst überfällig. In der Politik über den Sinn und Unsinn hoher Subventionen und Normen bei Lebensmitteln. In der Industrie über die Verschwendung und Überproduktion von Lebensmitteln und den unnötigen Verpackungen beispielsweise von Gurken in Plastikfolie. Im Verkauf über das Weg werfen und/oder dem Nichtverkauf von abgelaufenen und nicht mehr so hübsch aussehendem aber noch essbarem Gemüse und Obst. (In den Niederlanden wird beispielsweise schon praktiziert abgelaufene Lebensmittel mit Preissenkungen noch zu verkaufen). Oder dem verschenken von tadellosen Lebensmitteln an Wohltätigkeitsverbänden. Und letztendlich auch beim Verbraucher selbst, nachzudenken über unseren Fleischkonsum, die Entscheidung für und gegen ein Lebensmittel beim Einkauf, den Verbrauch an sich und schließlich dem weg werfen oder gar nicht so viel kaufen das man so viel weg werfen muss. Dem Verzicht oder sagen wir besser dem bewussten essen und genießen. Sich freuen auf den ersten Spargel der Spargelsaison und Erdbeeren mit Sommer verbinden.

Weniger ist mehr und natürlicher ist gesünder.


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