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Betonwüste oder Paradies

Der Tod der ökologischen Vielfalt

Wie ein Ökosystem funktioniert

Igelzeit

von Kristina, geschrieben am 16. 11. 2011:

Jetzt im Spätherbst sind die Zugvögel längst aufgebrochen in den Süden. Die Bäume sind kahl und auf den Wiesen blüht keine Blume mehr. Die Tiere machen sich bereit für den Winter. Auch Igel sollten Mitte November längst in ihrem Bau verschwunden sein. Doch mancher Igel schafft es nicht, gerade junge oder kranke Tiere, genügend Fett anzufressen um in den Winterschlaf gehen zu können.

Freitagmorgen als mein Mann in die Arbeit fahren wollte saß da doch ein kleiner Igel der ihn ansah und wartete bis ihn mein Mann mit nahm und mir zeigte. Dieser Igel, das war uns klar, war noch zu leicht um in den Winterschlaf gehen zu können. Tatsächlich wog er nur 304 g, Doch ein Igel muss unbedingt mindestens 500-600g wiegen um Winterschlaf halten zu können. Ist ein Igel zu leicht und tut er es trotzdem wird er sterben.

So behielten wir ihn kurzerhand und richteten ihm einen kleinen Käfig ein, ein großer Karton oder eine Holzkiste tut es auch. Wichtig ist nur das der Igel sich wohl fühlt und genug Platz darin hat. Das Gehege legt man praktischerweise mit Zeitungspapier und Haushaltsrollen aus so lässt es sich auch leicht reinigen. Er braucht auch einen kleinen Unterschlupf, in einer Schuhschachtel fühlt er sich pudel- äh igelwohl. Die will er mit zerknülltem Zeitungspapier oder Stroh (aus dem Zoofachhandel) ausgekleidet haben damit er sich darin schön betten kann. Jeden Tag muss das Papier und das Stroh komplett ausgewechselt werden. Das ist wichtig damit der Igel nicht krank wird. Auch übrig gebliebene Nahrung die den ganzen Tag (oder die ganze Nacht) steht muss weg geworfen werden, den Teller reinigt man am Besten nach jeder Mahlzeit.

Natürlich hatte unser Igel einen bären-äh igelhunger. Er mag am liebsten Katzen- oder Hundefutter. Milch und Obst hingegen sind für Igel tabu. Davon bekommt er leicht Durchfall und kann im schlimmsten Fall daran sterben. Ja, auch Obst sollte man ihm nicht geben, auch wenn das im Allgemeinen angenommen wird, ein Igel ist ein Insektenfressen, braucht also fleischliche Nahrung. Obst frisst er draußen nur wenn er Durst oder einen Wurm darin ausgemacht hat. Der Igel sollte zweimal am Tag gefüttert werden, am Besten Morgens und Abends. Je nach Alter immer eine bestimmte, abgewogene Menge. Ein Jungtier mit weniger als 400g sollte nicht mehr als 100g- 150g am Tag bekommen. Dazu stellt man ihm jeden Tag frisches Wasser in das Gehege. Der Igel darf auf keinen Fall Kontakt zu Haustieren haben, beide könnten sich anstecken. Außerdem sollte der Igel sich nicht an andere Tiere gewöhnen, denn er ist ein Wildtier und in der Natur könnte ihm das zum Verhängnis werden. Da er nachtaktiv ist braucht er tagsüber auch seine Ruhe. Die Zimmertemperatur sollte 18-20 Grad entsprechen damit der Igel aktiv bleibt und nicht in den Winterschlaf geht. Der Stall muss jeden Tag ausgemistet werden, zweimal am Tag braucht der Igel zu Fressen und muss jeden Tag gewogen werden. Die Daten über das Gewicht und die Futtermenge trägt man am Besten täglich in eine Liste ein. Wer für den Igel zu wenig Zeit hat sollte ihn besser gleich in eine Igelstation geben, dort ist er mit Sicherheit gut aufgehoben.

Nimmt man einen Igel zu sich prüft man sofort ob er Verletzungen hat oder krank ist. Auf jeden Fall lässt man das nochmal so schnell wie möglich vom Tierarzt untersuchen. Wir hatten schon mal eine Stuhlprobe zur Untersuchung mitgebracht. Unser Pflegling hat kaum Parasiten. Am Tag nach dem Tierarzt hatte er etwas abgenommen was wohl mit der ganzen Aufregung zu tun hat. Schon einen Tag später hatte er wieder zugenommen. Jungigel sollten jeden Tag 10-15 oder 20g pro Tag zunehmen.

Wir hoffen das unser Igel noch bis Dezember oder Januar sein Gewicht von 500-600g hat. Dann nämlich kann er immer noch in den Winterschlaf gehen. Igel die keinen Winterschlaf halten können haben ein größeres Risiko draußen in der Natur, wenn sie wieder ausgewildert sind, krank zu werden.

Zum Winterschlaf muss der Igel in einen kühlen Raum bei nicht mehr als 6 Grad oder nach draußen auf einen sicheren Balkon oder in den Garten. In einer zugluftfreien Kiste mit Stroh die unbedingt frostfrei bleiben muss kann er in Ruhe schlafen. Wenn diese Vorraussetzungen nicht gegeben sind kann man ihn immer noch in eine Igelstation geben. Bis Januar können Igel noch in den Winterschlaf. Unterbricht der Igel seinen Schlaf stellt man ihm Futter und Wasser bereit. Sie erwachen dann wieder Ende April Anfang Mai, je nach Außentemperatur und Witterung. Dann soll der Igel noch ca. zwei Wochen gefüttert werden. Dazu kann man ihn im Garten in einem Freigehege etwa für Kaninchen halten. Nach dieser Zeit baut man das Gehege ab und entlässt den Igel in die Freiheit.

Gelingt einem dies alles hat man einem kleinen Tier gut über den Winter geholfen und wer weiß vielleicht besucht einen der Igel ja ab und zu noch. Dann wäre es doch schön wenn er im Garten genug Schnecken und Würmer findet und für kühle Nächte auch ein kleiner Unterschlupf bereit steht. Im Herbst freut sich der Igel dann über jeden Laubhaufen den er nicht selbst auftürmen muss.


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