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Deutschland-Schnäppchenland

von Kristina, geschrieben am 08. 10. 2011:

Deutschland-Schnäppchenland

Nach der neuesten Studie geht es den meisten Deutschen beim Einkauf von Lebensmitteln in erster Linie um den Preis. Umso billiger umso besser, so das ernüchternde Ergebnis. Erst an zweiter Stelle steht die Qualität. Es ist nicht so das es hierzulande keine Wertvorstellungen mehr gäbe, ganz im Gegenteil, immer mehr legen wert auf biologisch erzeugte Lebensmittel, regionale Produkte und selbstverständlich will auch niemand Fleisch was aus Massentierhaltung stammt, aber bitte möglichst billig. Anscheinend begreifen viele nicht dass das nicht zusammen passt. Das Qualität und hoher Standart eben seinen Preis hat. Das auch die Bauern und Verkäufer bezahlt werden wollen. Kaum einer interessiert sich scheinbar für den Prozess einer Produktherstellung. Das viel Geld benötigt wird bis das fertige Produkt zu uns in den Supermarkt kommt und das dahinter auch immer Menschen stehen die dafür tagtäglich schuften.

Was für Lebensmittel gilt ist bei Kleidung nicht anders. Die Modeketten verführen uns mit Schnäppchen doch verraten sie nicht unter welchen Bedingungen diese hergestellt werden. Würden wir das immer so genau wissen, wollten wir nichts mehr aus kuschelweicher Baumwolle hergestellt in Indien. Stattdessen würden wir wohl wieder anfangen selbst unsere Pullover, Socken und Mützen aus kratziger regionaler Schafwolle zu stricken.

Doch bei der Globalisierung ist dies ein schier undurchsichtiges Geschäft bei dem selbst die Modeketten und Verkäufer kaum mehr wissen unter welchen Bedingungen ihre Produkte hergestellt werden. Die meisten Fabriken die in den ärmsten Ländern der Welt wie beispielsweise Bagladesch stehen erfüllen weder die europäischen Sicherungsbestimmungen noch werden Überstunden streng kontrolliert und nicht immer bezahlt. Außerdem wird nicht selten mit hochgiftigen und gesundheitsschädigenden Chemikalien gearbeitet, ohne die Arbeiter darüber zu informieren oder sie davor zu schützen. So kam es in der Vergangenheit nicht selten vor das bei Unfällen und Bränden in Fabriken Menschen umkamen.

Es ist nicht so das die großen Modeketten ihre Fabriken in den Herstellerländern nicht regelmäßig kontrollieren lassen, das Problem jedoch sind oft die Zuliefererfirmen, die meist ganz wo anders stehen. Die Firmen werden zwar deutlich auf unzureichende Zustände sofort hingewiesen, doch sobald die deutschen Kontrolleure wieder weg sind heißt das noch lange nicht dass diese auch immer ordnungsgemäß umgesetzt werden. So müsste eigentlich immer ein Kontrolleur vor Ort sein. Doch solange die deutschen Konsumenten verlangen Kleidung möglichst billig zu bekommen, solange wird sich wohl auch nichts an den Umständen in den Herstellerländern ändern. Die Deutschen scheinen jedoch nicht bereit dafür zu sein mehr Geld für eine bessere Qualität und höhere Standarts auszugeben. Ihnen scheint es viel wichtiger zu sein möglichst viel für möglichst wenig Geld zu bekommen. Was ist das für eine Mentalität? Alle anderen Europäer, selbst bei einem durchschnittlich niedrigerem Jahreseinkommen, geben mehr Geld aus für Lebensmittel und Kleidung, als der deutsche Durchschnitt. Kein Wunder also das die Tomaten in Italien einfach besser schmecken als die Einheitsware in den deutschen Supermärkten. Und dann neigen wir auch noch dazu uns darüber ständig zu beschweren.

Die Schuld haben freilich immer andere, nie wir selbst, wenn die Eier mit Dioxin verseucht oder das Fleisch vergammelt ist. Man weiß ja gar nicht was in unseren Lebensmitteln so alles drin ist. Weil sich keiner dafür interessiert. Die Hersteller tun nur das was wir von ihnen verlangen, möglichst billige Ware zu produzieren.

Wir protestieren gerne gegen Ungerechtigkeiten in der Welt und vor unserer Haustür, aber darüber nachzudenken das vielleicht wir auch eine Schuld tragen könnten, das fällt den Deutschen nicht ein. Das Ausbeutung und Massentierhaltung nur die Reaktion auf unser Kaufverhalten ist das will keiner wissen. Wir blenden gerne aus das wir auch eine Mitverantwortung haben in dieser Welt.

Es wäre gar nicht mal so schwer vieles zu verhindern wenn wir es in die Hand nehmen würden und unser Verhalten ändern. Doch die Deutschen wissen nicht einmal mehr wie man richtig kocht, Vorratshaltung betreibt oder aus wenig Zutaten etwas leckeres und nahrhaftes macht. Auch wenn man wenig Geld hat muss man nicht unbedingt das geschmacklose Billiggemüse aus dem Discounter und die Fertigtütensuppen und Soßen aus puren Geschmacksverstärkern in sich hineinstopfen. Gesünder, reichhaltiger und besser schmecken doch einfache gekochte Salzkartoffeln mit Butter, Käse oder Quark oder Nudeln mit einer frischen selbst gekochten Tomatensoße statt aus dem Päckchen. Das ist sogar preiswerter als die überteuerten Päckchen ohne Inhalt aber vielen Zusatzstoffen. Gesünder sowieso. Und wer sich einmal besinnt der merkt das übermäßiger Fleischverzehr nur müde und träge macht. Ein frischer Salat mit geröstetem Brot oder ein leckeres Kürbisrisotto ist da viel wertvoller. Und das ist alles gar nicht schwer.

Zu anderen Zeiten gab es auch höchstens mal an einem Sonntag ein wenig Fleischbeilage für die Großfamilie. Wenn frisch geschlachtet wurde, vorausgesetzt das Schwein hatte schon genug Fett angesetzt. Früher dauerte das freilich länger weil die Tiere noch im normalen Rahmen wachsen konnten und nicht im Schnellverfahren wie heute hochgepäppelt wurden. Es wurde auch alles verwertet und gegessen, vom Schweinerüssel bis zum Schwanz. Der Speck kam in die Suppe und hielt gut über den Winter. Das Fleisch war natürlich auch noch gesünder und hatte noch den typischen Fleischgeschmack. Nicht wie heute das Supermarktfleisch aus Massentierhaltung das eigentlich gar nicht mehr nach Fleisch schmeckt und mehr Wasser als Fleischsaft enthält. Haben wir Deutsche so einen schlechten Geschmack?

Die Werbung tut wohl auch seinen Teil dazu. Übrigens ein ganz normales Bionaturjoghurt ist ebenso probiotisch und genauso gut für die Darmflora wie viel teurere Produkte die die Werbung so lobend anpreist. Man sollte sich eben doch einmal informieren und nicht alles glauben. Schließlich gelten wir Deutschen doch als ebenso kritisch und zweifelnd.

Warum hat sich eigentlich noch niemand ernsthaft danach gefragt warum die Billigkleidung aus dem Discounter eigentlich so schnell löchrig wird und ausgewaschen aussieht? Weil das auch eine Masche ist die zur Modebranche gehört. Schließlich wollen die jedes Jahr den neuesten Trend auch an den Mann bzw die Frau und das Kind bringen. Denn was würden sie für einen Umsatz machen wenn wir unsere Kleidung länger tragen würden als bis zum nächsten neuesten Trend den sie uns mit einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis schmackhaft machen. Kaufe drei zahle eins. 50% auf Alles! Das ist doch ein sensationelles Angebot. Da macht man sich doch nicht mehr die Mühe die unsere Vorfahren noch hatten Löcher zu stopfen und Flicken zu nähen, Hosen zu weiten oder Kleidung an die nächste Generation weiter zu vererben. Wie sieht das denn aus wenn unsere Kinder plötzlich wieder mit der Mode der 70 ziger und 80 ziger Jahren herum laufen würden?! So etwas können eben nur große Modeketten als trendig verkaufen. Nur was absolut neu und aktuell ist wollen wir, so verdienen sich die Modekonzerne an uns eine goldene Nase.

Die „dritte Welt“ ist ja so weit weg in der die Billiglöhner oft unter widrigsten Bedingungen schuften und nicht selten für unseren neusten Modeschick ihr Leben aufs Spiel setzten. Das glauben Sie nicht? Wissen sie wie gefährlich das so genannte stonewash bei modischen Jeans ist? Es ist so lebensgefährlich das es inzwischen in der Türkei verboten wurde. Doch in Banladesch, dem ärmsten Land der Welt, wird es weiter betrieben. Viele Arbeiter mussten für diese Jeans ihr Leben lassen. Genauso wie auf den konventionellen Baumwollplantagen Indiens, die mit Chemie, ohne Schutz von den Billigarbeitern gespritzt werden. Diese haben keine andere Wahl ihre Familien zu ernähren. Nicht selten brennen ganze Firmengebäude ab in denen giftige Chemikalien explodieren. Chemikalien die zwar in Deutschland verboten sind, aber die trotzdem auf unserer Kleidung landen. Auch hierzulande kommt es immer häufiger vor das Verkäufer und Kunden davon krank werden. Und keiner tut etwas dagegen. Warum auch, es bringt eine Menge Geld, von dem nicht etwa die Arbeiter in den Herstellerländern profitieren würden, sondern ausschließlich die Modelabels. Wollen und Können wir das verantworten? All das steht in unserer eigenen Schuld, in der Schuld der Schnäppchenjäger! Wir töten wie echte Jäger, doch meist merken wir es nicht einmal.

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Siehe auch unter  http://www.3sat.de/page/?source=/boerse/hintergrund/157235/index.html


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