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Betonwüste oder Paradies

Der Tod der ökologischen Vielfalt

Wie ein Ökosystem funktioniert

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Deutschland-Schnäppchenland

Freizeitspass auf Kosten der Natur

Das Märchen vom Wald

von Kristina, geschrieben am 16. 05. 2011:

Heute schreibe ich einmal über das große Mysterium: Den Wald. Wir alle scheinen ihn zu kennen, doch tatsächlich hat den wahren Wald kaum ein Mensch zu Gesicht bekommen. Obwohl ein Drittel der Fläche Deutschlands mit Wald bedeckt ist, kann man dabei kaum von Wald sprechen. Es ist viel mehr eine Anreihung von Bäumen, fast aus reinen Fichtenbeständen. Auf den knochentrockenen Böden wächst kein grüner Grashalm. Die meterhohen, dicht aneinander stehenden Fichten lassen auch kaum Sonnenlicht durch die Baumkronen dringen. Düster und kalt wirken diese Forste, die mit einem ursprünglichen Wald rein gar nichts zu tun haben. Von Leben fehlt dort jede Spur. Es sind reine Wirtschaftswälder ohne jeglichen ökologischen Nutzen. Die meisten dieser Wälder sind kränkelnde und absterbende Flächen, die kaum eine Chance haben, älter als 50 Jahre zu werden, wenn sie nicht ohnehin schon vorher abgeholzt werden würden. Außerdem ist das Holz aus solchen Beständen eher unbrauchbar für massive, stabile und langlebige Möbel, sondern dient als Brennholz oder zur Papierherstellung.

Natürlich kann hier auch kaum ein Tier überleben. Reine Forstwälder bieten ihnen zu wenig Nahrung und keinen geeigneten Lebensraum.

Ein Urwald dagegen ist eine uralte Lebensgemeinschaft aus unzähligen Pflanzen und Tieren, die miteinander in einem einzigartigen Gleichgewicht (Ökosystem) leben. Dort wachsen die unterschiedlichsten Baumarten neben kleinen Büschen und Hecken. Ein Urwald beheimatet mehrere Generationen von Bäumen. So kann der eine Baum mehrere tausend Jahre alt sein, während neben ihm gerade neue Sprösslinge gedeihen. Leben und Tod bilden eine Einheit im Urwald. Das abgestorbene Totholz bildet eine neue Lebensquelle für Flora und Fauna. Es wird von Pilzen und Moosen überwuchert, Kleinstlebewesen und Insekten, wie etwa der seltene Eremit oder der ebenso bedrohte Hirschkäfer finden hier Nahrung und eine Kinderstube. Im Kreislauf der Natur wird alles wieder zu wertvollem Humus, auf dem wiederum neues Leben in Form von unterschiedlichsten Pflanzen gedeiht. Wenn ein Baum stirbt, macht er Platz für neues Leben. Dann dringt wieder Licht auf den Boden und lässt wieder junge Pflanzen nachkommen. Ein gesunder Waldboden ist grün, voller Gräser, Moose, unterschiedlicher Krautschichten, kleiner Büsche und Hecken. Bunt getupft mit allerlei Waldblumen. Ein wildes Durcheinander von Totholz, Moosen, Flechten und Pilzen. Mit kleinen Höhlen und Verstecken für Tiere. Wiesen voller wundersamer Farne und Waldschachtelhalme. Dort lebt der Wald wirklich. In einem ursprünglichen Wald plätschert auch ein kleiner Bach und es gibt kleine Tümpel oder Wasserlachen die Lebensraum für einige sonst bedrohte Amphibienarten bieten. In abgestorbenen Bäumen finden dagegen Spechte, Eulen oder andere Lebewesen einen geeigneten Brutplatz. In einem gesunden und von Leben strotzendem Wald sind neben Reh, Hase und Wildschwein ebenso Wolf, Luchs und Bär zu Hause. Denn nur wo Pflanzen- und Fleischfresser gleichermaßen existieren, dort kann man auch von einem ökologischen Gleichgewicht sprechen. So gilt auch nicht mehr die Rechtfertigung der Jagd auf Hirsch und Reh, die sich ohne ihre natürlichen Feinde zu schnell vermehren und Jungpflanzen anfressen würden, und somit das natürliche Gleichgewicht im Wald beeinträchtigen könnten. Dessen Auslese auch im Winter durch die Fütterung des Menschen gestört wird, was sich gegen den Rhythmus der Natur richtet. Nein, in einem ökologisch gesunden Wald haben Jäger keine Aufgabe mehr.

In einem Urwald hat jedes Lebewesen seine Bedeutung und Aufgabe und der Mensch mit seinen wirtschaftlichen Interessen ist überflüssig.

Auch wenn immer mehr Forstwirte umdenken und neben dem wirtschaftlichen Aspekt auch den Naturschutz berücksichtigen, wird es noch Jahrzehnte dauern, bis sich die Waldflächen wieder erholt haben. Erst wenn man den Wald sich selbst überlässt, kann man von einer Renaturierung sprechen. Bevor sich der Wald jedoch regenerieren kann, wird er vom Borkenkäfer befallen. Er tritt überall dort auf, wo sich unnatürlich viele Fichten in Monokulturen befinden: Denn dort wo der Borkenkäfer diese Monokulturen ausdünnt, schafft er sonnendurchflutete Lücken für neue junge Triebe von Laubgewächsen. Bald darauf gedeihen auf dem Waldboden Gräser, Moose und Farne. Die ersten Blumen und Büsche siedeln sich an. Kleine Sprösslinge wachsen zu kleinen Bäumchen. Erst nach vielen Jahren ist daraus wieder ein lebendiger und ursprünglicher Wald geworden. Somit trägt der Borkenkäfer zur Genesung eines Waldes bei - oder anders: In einem mitteleuropäischen Laubmischwald, der sich weitgehend selber überlassen werden würde, wäre der Borkenkäfer niemals eine Bedrohung, sondern eher ein "Polizist", der nur kranke Bäumen befiele.

Solch vielfältigen Lebensraum gilt es zu schaffen und zu schützen. Es ist an uns, nachhaltige Waldwirtschaft zu betreiben, bei der der Naturschutz an oberster Stelle steht. Jeder Einzelne trägt dazu bei, in dem er Möbel aus zweiter Hand kauft, nur recycletes Papier verwendet, und damit sparsam umgeht. Man achte beim Kauf von Möbeln auf das FSC Siegel, um sicher zu gehen, dass sie nicht aus Holz der Regenwald-Vernichtung hergestellt werden. FSC bedeutet "Forest Stewardship Council", also eine gemeinnützige Vereinigung, die sich verantwortungsvolle Forstwirtschaft zum Ziel gesetzt hat: Es darf nur in einem FSC-betreuten Wald nur so viel Holz geschlagen werden, wie auch in einem bestimmten Zeitraum wieder nachwachsen kann.

Dazu kommt noch das Einhalten der Regeln, wie man sich in einem Wald zu verhalten hat: Man soll keine Pflanzen willkürlich ausreißen, kein Feuer machen, und vor allen Dingen keinen Müll wegwerfen. In Naturschutzgebieten ist es zusätzlich achtsam, auf den Wegen zu bleiben.

Wer die Vielfalt eines ursprünglichen Waldes schätzen lernt, der wird mit dessen Ressourcen achtsam umgehen und mit respektvollem Verhalten über dessen Wunder staunen können. Ein Spaziergang durch einen solchen Wald bietet dem gestressen Menschen auch eine viel bessere Erholung, als durch ein monotones Fichtenbeet.

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Siehe auch unter  http://www.nabu.de/themen/wald/hintergrundinfos/13284.html


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