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Amphibienschutz vor Ort

von René, geschrieben am 09. 04. 2010:

Wenn im zeitigen Frühjahr erstmals die Temperaturen merklich über 10°C steigen, und der erste warme Regen fällt, erwachen die einheimischen Lurche aus ihrer Winterstarre und beginnen mit ihrer alljährlichen Wanderung zu ihren Heimatgewässern. Lurche sind wechselwarme Tiere, d.h. ihre Körpertemperatur ändert sich mit der Außentemperatur. Je wärmer es also draußen ist, je mehr erwärmen sich auch die Körper wechselwarmer Tiere, desto aktiver können sie sein.

Sind die Lurche nun einmal aus ihrer Starre erwacht, beginnen sie mit der Wanderung. Auch wenn die Temperaturen nachts sogar noch leicht unter den Gefrierpunkt sinken. Sie kommen jedoch dann nur ganz langsam voran, was ihnen dann beim Überqueren von Straßen zum Verhängnis wird.

Doch nicht nur Erdkröten wandern; auch die Braunfrösche (Gras-, Moor- und Springfrosch) und die Molcharten (Teich-, Berg-, Faden- und Kammmolch) suchen ebenfalls ihre Geburtsgewässer auf, um sich hier fortzupflanzen.

Um eine Erdkrötenpopulation durch den Straßenverkehr um 90% zu dezimieren, genügt bereits eine Verkehrsdichte von 60 Autos in der Stunde. Für die kleineren, noch langsamer vorankommenden Molche sieht es noch schlimmer aus: Bei genannten Bedingungen sind die Überlebenschancen beinahe gleich Null. Da die Verkehrsnetzdichte auf Kosten freier Flächen in Europa stetig zunimmt, ergibt sich daraus eine ständig wachsende Gefährdung der wandernden Lurche, zusätzlich zu direkter Zerstörung ihrer Lebensräume.

Während man weniger frequentierte Verkehrswege wenigstens nachts für den Straßenverkehr sperren kann, ist dies an vielen Stellen jedoch nicht möglich. Um den Tieren hier jedoch eine reele Überlebenschance zu sichern, müssen kurzfristig Zäune aufgebaut werden um die Tiere in Eimerfallen zu leiten, aus denen sie dann von Helfern eingesammelt werden können.

Einer solchen Aktion habe ich zusammen mit meiner Frau dieses Jahr beigewohnt, und zwar ganz in der Nähe unseres Wohnortes: Nachdem der BN etwas außerhalb unserer Stadt vor einigen Jahren einen Fischweiher renaturiert hatte, fanden hier einige Amphibienarten ein geeignetes Areal zum Ablaichen vor, welches sie auch annahmen. Leider führt jedoch an dem Teich ein Feldweg vorbei, der an sich nicht viel befahren wäre, wenn da nicht eine - vor allem an den Wochenenden - gut besuchte Gaststätte wäre. So kam es voriges Jahr dazu, dass Kröten zu Hunderten überfahren wurden, was einige Anlieger und auch die Besitzer der Gaststätte dazu veranlasste, Schutzmaßnahmen anzuregen.

So steht seit diesem Jahr erstmals ein Schutzzaun an dieser Straße, der vom Bund für Naturschutz Bayern betreut wird. Wir haben zusammen nun über 1000 Erdkröten erfassen können, neben Grasfröschen, Teich- und Bergmolchen.

Es bleibt noch viel zu tun, um die Gefährung der Amphibien zu reduzieren. Dabei sind die kleinen Kerle nicht nur sympathisch, sondern obendrein auch noch nützlich: Wo die Bauern heute Insektizide spritzen müssen, um "Schädlinge" von ihren intensiv genutzten Landwirtschaftsflächen fernzuhalten, und damit nicht nur den Boden, sondern auch die in ihm lebenden "nützlichen" Tiere und im Endeffekt uns selber vergiften, vermögen diese Arbeit die Lurche viel effektiver und nachhaltiger zu erledigen. Wo es viele Kröten gibt, gibt es z. B. weniger Schnecken. Und was in der Landwirtschaft recht ist, kann im eigenen Garten doch nur billig sein.