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Schwabach

Kreisfreie Stadt

(39.000 Einwohner)

Bilderreihe :
 
Das Rathaus von Schwabach. Im Hintergrund Turm der Stadtkirche.
Gliederung: Die Stadt Schwabach ist die kleinste kreisfreie Stadt Bayerns. Sie gliedert in die Stadtteile Schwabach (mit den historischen Stadtteilen Altstadt, südliche und nördliche Vorstadt, Vogelherd, Eichwasen und Gartenheim), Uigenau, Forsthof, Limbach, Nasbach, Unterreichenbach, Obermainbach, Wolkersdorf (mit Dietersdorf, Oberbaimbach, Unterbaimbach und Raubershof), Penzendorf und Schaftnach (Schwarzach und Neuses-West).
Geschichte: Frühgeschichtlich sind im Umfeld der Stadt Urnenfunde aus der Zeit um 750 v. Chr. nachweisbar. Seit der Hallstattzeit (500 v. Chr.) waren weite Teile Mittelfrankens keltisch besiedelt. Geschichtlich wird Schwabach ab dem 8. Jahrhundert fassbar, nachdem sich hier Markomannen, Bajuwaren, Franken und Alemannen angesiedelt hatten.  Es wurde von den Franken als "Suahapa", später "Schwob-acha", also als "Fluss, den Schwaben siedeln" benannt. Zu diesem Zeitpunkt gehört das Gebiet zu den Besitztümern des Klosters St. Emmeram (Regensburg). Um 850 herum, einige Jahre nach der Teilung des Frankenreichs, geht diese Besitzung an das Kloster Fulda über.
Urkundlich wird villa suabach im Jahre 1117 erwähnt. Die Ansiedlung hatte damals also noch dörfischen Charakter. 1166 gelangt Schwabach als kirchliche Schenkung des Klosters Fulda an das Zisterzienserkloster Ebrach (Steigerwald). Der Mönchshof - heute beliebte Gaststätte - bleibt bis 1797 in klösterlichem Besitz. Im Jahre 1299 wird dann das Gebiet um Schwabach vom neugewählten König Albrecht von Habsburg an den Grafen Emich I. von Nassau verpfändet. Vier Jahre später bekommt die Ansiedlung das Marktrecht verliehen (Urkundlich 1304 als forum swabach belegt). Ein Jahr vor seinem Tod veräußert Emichs Sohn Johann 1364 Schwabach an die Burggrafen von Nürnberg (aus dem Hause der Hohenzollern; ab 1415 Markgrafen von Brandenburg-Hohenzollern). Diese befestigen die Ansiedlung mit einer Mauer, und verleihen Schwabach 1371 die Stadtrechte.
1468 wird Schwabach Sitz eines markgräflichen Amtmannes, was es bis 1792 bleibt. Eine weitere Aufwertung erfährt Schwabach 1470 durch den Verlegung des Haupt-, Münz- und Legamtes des Fürstentums Ansbach hierher. 1495 wird schließlich die in 29jähriger Bauzeit errichtete Stadtkirche St. Johannes und St. Martin eingeweiht. Ein Schwabacher Typenschneider hat vermutlich in Nürnberg die Schwabacher Schrift entwickelt. Sie wurde so populär, dass Luthers Bibelübersetzung in dieser Schriftart gedruckt wurde. Bereits knapp zehn Jahre nach Luthers Thesenanschlag wird 1528 die Brandenburgisch-Nürnbergische Kirchenordnung beschlossen, die die Reformation in Nürnberg und im Fürstentum Ansbach fixiert. Die Schwabacher Artikel, eine der Grundlagen der Augsburger Konfession und des Protestantismus, werden im Schwabacher Gasthof  "Zum Goldenen Stern" im Jahre 1529 beraten. (Der Gasthof existiert noch heute). 1547 wird der Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen kurze Zeit  im Gasthof "Goldene Gans" gefangengehalten. Das Gebäude am Marktplatz heißt seitdem Fürstenherberge.
Der Dreißigjährige Krieg (1618-48) bricht im Jahre 1632 herein, als Schwabach von wallensteinschen und kurbairischen Truppen belagert und geplündert wird. Seit 1618 treffen auch immer mehr evangelische Glaubensflüchtlinge aus der Oberpfalz und Österreich (so genannte Exulanten) in Schwabach ein. Mit einem Weißenburger Nadlermeister kommt 1633 die Nadlerei als neues Gewerbe nach Schwabach, welches in den folgenden Jahrhunderten bis heute von großer Bedeutung für die Stadt sein wird. Auch nach dem Westfälischen Frieden (1648) bleibt Schwabach reformiert, was dazu führt, dass weitere Exulanten (bis etwa 1668), sowie ab 1686 auch französische Hugenotten als Glaubensflüchtlinge ins liberale Schwabach kommen. Letztere erbauen 1687 ein eigenes Gotteshaus, die so genannte "Franzosenkirche". 1716 entsteht mit der Schwabacher Kattunmanufaktur die erste moderne Fabrikanlage Frankens. 1717 wird der Schöne Brunnen auf dem Schwabacher Marktplatz durch Markgraf Wilhelm Friedrich eingeweiht. Der Mediziner und Botaniker Johann Gottfried Zinn wird 1727 in Schwabach geboren. Nach ihm wird später von Carl von Linné die Zinnie benannt (Blume). Eine gewaltige Überschwemmung durch die Schwabach vernichtet 1732 in der Innenstadt Häuser und kostet etliche Menschenleben. Die Wasserstandsmarkierung ist heute noch an der Spitalkirche zu sehen. 1792 wird Schwabach vom letzten Markgrafen von Brandenburg-Ansbach zusammen mit der gesamten Ansbacher Besitzung nach Preußen verkauft. Im Zuge der napoleonischen Eroberung Europas und der damit einhergegangenen Schaffung des Rheinbundes (und der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Reichsdeputationshauptschlusses von 1806) wird Schwabach dem stark erweiterten Königreich Bayern einverleibt, wo es auch nach der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress 1815 verbleibt. 1849 erhält Schwabach mit einem Bahnhof Anschluss an der neuen Ludwig-Süd-Nord-Bahn. 1862 wird der Landkreis Schwabach gegründet, wobei Schwabach jedoch zwar Kreisstadt, jedoch selber kreisfrei blieb. Der Landkreis Schwabach bestand bis 1972; nur in den Jahren 1940 bis 1948 gehörte ihm Schwabach auch als kreisangehörige Stadt an. 1972 wurde der Landkreis Schwabach mit dem Landkreis Hilpoltstein zum neuen Landkreis Roth fusioniert. Schwabach blieb weiter kreisfrei (seitdem kleinste kreisfreie Stadt Bayerns), wobei noch einige ehemals selbständige Orte eingemeindet wurden, verlor aber den Sitz des Landratsamtes an Roth. 1936 bezog die Wehrmacht die neu erbaute Kaserne in der Stadt. 1941 erfolgte der erste und zugleich schwerste aliierte Bombenangriff auf die Stadt. Während der Nazizeit wurden mindestens 47 der 96 in Schwabach wohnhaften Juden verschleppt und ermordet. Nach dem Kriegsende 1945 gelangten viele Heimatvertriebene in die Stadt, die hier eine neue Heimat finden konnten. 1953 erhält Schwabach sein neues Stadtwappen. Getreu seiner jahrhundertealten liberalen Haltung hat Schwabach heute drei Partnerstädte (Les Sables d’Olonne in  Frankreich, Kalambaka in Griechenland und Kemer in der Türkei), und trägt somit aktiv den Europäischen Gedanken hoch.