Suchbegriff:   User: Pass:

Die Kreuzotter

(Vipera berus)

Bilderreihe :
 
Eine weibliche Kreuzotter.
Steckbrief

Gefährdung: Deutschland: RL2, Österreich: RL3, Schweiz: EN

Beschreibung: Die Kreuzotter ist eine bis zu 80 cm lange Giftschlange aus der Familie der Vipern. Sie ist damit die kleinste Schlange in Deutschland. Ihre Gestalt ist jedoch eher schlank, nur alte Weibchen erscheinen etwas gedrungen. Typische Merkmale der Kreuzotter sind das Zickzackband auf dem Rücken, der V-artigen oder kreuzartigen Zeichnung am Kopf und die senkrechten Pupillen und die großen Kopfschuppen (so genannte Schilde). Die Schuppen sind wie bei der Ringelnatter und im Gegensatz zur Schlingnatter gekielt. Die Grundfärbung der Männchen ist meist weiß bis grau, die Zeichnungselemente schwarz. Die Grundfärbung der Weibchen ist dagegen oft rötlich oder braun, die Zeichnungselemente dunkelbraun. Daneben gibt es auch einfarbige, schwarze ("Höllenotter") oder rötliche ("Kupferotter") Exemplare. Es ist ein Irrglaube, dass schwarze Kreuzottern besonders giftig seien.

Lebensraum: Die Kreuzotter kommt bevorzugt in Heidelandschaften und an Mooren vor. Generell werden alle Wald-Habitate besiedelt, die über eine ausgeprägte Strauch- und Krautschicht, hohe Luftfeuchtigkeit und einen großen Unterschied der Tag- und Nachttemperaturen aufweisen. Die Kreuzotter besitzt von allen Viper-Arten das größte Verbreitungsgebiet: Sie kommt in zahlreichen Unterarten über das gesamte gemäßigte, subpolare Gebiet Eurasiens vor, überschreitet in Europa sogar den Polarkreis. Sie fehlt dabei in wärmeren Gegenden. So kommt sie in Deutschland schwerpunktmäßig noch in den Heide- und Moorlandschaften der  Norddeutschen Tiefebene, im Bayerischen Wald, im Schwarzwald, der Schwäbischen- und Fränkischen Alb vor. Sie fehlt dagegen im Westen und Nordwesten, so gibt es keine Vorkommen im Saarland und Rheinland-Pfalz.

Nahrung: Die Kreuzotter erbeutet als Lauerjäger keine bestimmte Beute, bevorzugt jedoch Waldeidechsen und Mäuse. Zunächst wird die Beute aus einem Hinterhalt heraus angegriffen, gebissen, zunächst aber nicht weiter verfolgt. Nach kurzer Zeit zeigt das Gift seine Wirkung, und das Beutetier verendet. Durch ihren feinen Temperatursinn ("Züngeln") spürt die Kreuzotter nun der Beute hinterher und verschlingt sie - den Kopf voran - im Ganzen.

Feinde: Der schlimmste Feind der Kreuzotter ist der Mensch, der der Schlange noch immer aus dem Beweggrund ihrer Giftigkeit nachstellt. Auch der stetige Verlust von Lebensraum macht dem Reptil schwer zu schaffen. Natürliche Feinde der Schlange sind vor allem der Igel, der gegen das Gift (nahezu) immun ist, sowie die Marder-Arten, der Fuchs und Wildschweine. Außerdem stellen der Kreuzotter Greifvögel nach.

Verhalten: Die Kreuzotter ist eine äußerst scheue Schlange, die in Anwesenheit des Menschen die Flucht ergreift. Die Schlange beißt nur, wenn sie genötigt und bedrängt wird, und sie tut dies niemals, ohne vorher durch Zischen und Sigma-Haltung des Kopfes zu warnen. Eine Kreuzotter würde niemals einen Menschen verfolgen und beißen. Bissunfällen beim Heidelbeeren-Pflücken oder Pilze-Suchen kann man vorbeugen, indem man stets festes Schuhwerk, lange Hosen und Handschuhe anzieht.

Fortpflanzung: Die Paarung der Kreuzottern erfolgt nach der Winterstarre Ende März bis April, je nach klimatischer Lage. Dabei erscheinen zuerst die Männchen und einige Wochen später die Weibchen. Unter den Männchen kommt es - wie auch bei anderen Schlangenarten - zu so genannten Komment-Kämpfen. Dabei versuchen sich die Männchen durch gegenseitiges, spiralförmiges Umwinden nach unten zu drücken. Niemals werden bei diesen Rangkämpfen die Giftzähne eingesetzt! Die Sieger verpaaren sich mit den Weibchen. Die Jungen kommen dann zwischen August und Oktober zur Welt, denn die Kreuzotter ist eine lebendgebärende Schlange, im Gegensatz zu den anderen einheimischen Schlangenarten, die alle Eier legen.

Giftigkeit: [Quelle Wikipedia]: Obwohl das Gift der Kreuzotter etwa zwei- bis dreimal giftiger ist als das der Diamant-Klapperschlange (Crotalus adamanteus), ist ein Biss auf Grund ihres geringen Giftvorrats von nur zehn bis 18 Milligramm Trockengewicht in der Regel nur für Kinder und alte Menschen gefährlich. Die Symptome des Bisses äußern sich folgendermaßen: Rund um die Bissstelle sollte etwa eine Stunde später eine große Schwellung entstehen. Auf Grund von Nervengiften kann es zu Atemnot und Herzbeschwerden kommen. Der Biss einer Kreuzotter kann darüber hinaus auch zu Lähmungen führen. Wegen des blutzersetzenden Teils des Sekretes ist es möglich, dass die Zone nahe der Bissstelle bläulich aussieht. Normalerweise treten diese Symptome jedoch nicht auf und auch die Schmerzen des Bisses halten sich in Grenzen, so dass manche Leute überhaupt nichts davon merken, wenn sie gebissen werden. Der Biss ist jedoch immer eine ernstzunehmende Verletzung, mit welcher ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Besonderes: Es war eine aufregende Erfahrung, eine Kreuzotter einmal aus nächster Nähe sehen und fotografieren zu dürfen. Ich wurde von dem Tierchen weder bedroht noch attackiert. Ich will allen Menschen, die dies hier lesen eine kleine Sache mit auf den Weg geben: Zwei Dinge empfinde ich für die Geschöpfe unserer Natur, nämlich tiefen Respekt und Bewunderung. Daher kann ich nicht verstehen, welche Beweggründe es geben kann, Kreuzottern nachzustellen, sie zu verfolgen und zu töten. Die Art war noch vor 30 Jahren recht häufig, ist aber mittlerweile stark bedroht. Unsere Tierwelt wäre um so vieles ärmer, wenn die Kreuzotter eines Tages nicht mehr dazugehören würde. Unser Verstand ist ein viel stärkeres Gift für diesen Planeten, als der Biss dieser Schlange für einen Menschen jemals sein kann. R. Rausch.