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Der Nördliche Kammmolch

(Triturus cristatus)

Bilderreihe :
 
Kammmolch-Männchen im Wasser. (Quelle: Wikipedia)
Steckbrief

Gefährdung: Deutschland: RL3, Österreich: RL2, Schweiz: EN

Beschreibung: Der Kammmolch ist unser größter einheimischer Molch: Die Weibchen werden bis zu 20 cm lang, die Männchen bleiben mit 18 cm etwas kleiner. In der Landtracht ist der Molch eher unscheinbar dunkelbraun oder schwarz, so dass er bei flüchtiger Betrachtung mit dem Bergmolch verwechselt werden kann. Von diesem unterscheidet er sich aber durch das Vorhandensein von schwarzen Punkten auf der gelb oder orangefarbenen Bauchseite (der Bergmolch ist auf der Bauchseite stets einheitlich orange gefärbt). Ein weiteres Erkennungsmerkmal des Molches ist der so genannte Milchstreifen an den der Längsseite seines Schwanzes. Ebenfalls typisch für das Erscheinungsbild des Molches sind auch die bräunlich-schwarzen Flecken, die sich deutlich vom etwas heller gefärbten Untergrund abheben. Die Männchen bilden ab März, wenn sie zu ihren Laichgewässern gewandert sind, einen schön gezackten Kamm aus, den sie allerdings vor dem Landgang (ab Juni) wieder zurückbilden.

Lebensraum: Der Kammmolch ist über weite Teile Europas verbreitet. Er kommt auf den Britischen Inseln (fehlt aber in Irland) vor, sein Verbreitungsgebiet reicht von Frankreich (fehlt in Südfrankreich) über die Nordschweiz, Deutschland, Benelux, Dänemark und Südschweden bis nach Westrussland. Er kommt in Tschechien, Polen, Weißrussland, dem Baltikum und fast ganz Rumänien vor, während er in Österreich, der überwiegenden Schweiz und Ungarn weitgehend fehlt (hier kommt der nahe verwandte Alpenkammmolch vor). Südlich seines Verbreitungsgebietes kommt stattdessen der Marmormolch vor. Der Kammmolch benötigt ständig wasserführende, durchflossene stehende Gewässer sowohl mit Freiwasser- als auch mit Schilfzonen. Da solche Gewässer meist wirtschaftlich als Fischteiche genutzt werden, ist er in seinem Bestand stark gefährdet. Als Landlebensraum braucht der Kammmolch Wälder, Moore oder Felder mit Unterschlupfmöglichkeiten (Büsche, Steine), die allerdings nicht zu trocken sein dürfen. Ähnlich dem Feuersalamander brauchen die Tiere in Wäldern einen hohen Totholzanteil. Insgesamt stellt der Kammmolch von allen einheimischen Molchen die höchsten Ansprüche an seinen Lebensraum.

Nahrung: Gleich allen Amphibien frisst auch der Kammmolch alles, was er überwältigen kann. An Land vertilgt er daher allerlei Insekten, kleine Schnecken und Spinnen. Im Wasser fängt er Kaulquappen und Molchlarven - auch der eigenen Art, sowie Egel.

Feinde: Im Wasser wird der Kammmolch und seine Larven von größeren Fischen (Forellen, Hechte) und der Ringelnatter gejagt und gefressen. Seine Larven müssen sich vor Libellenlarven oder Gelbrandkäfern in acht halten. Auf dem Lande fallen die Molche Sing- und Raubvögeln, Igeln, Iltissen, Mardern und Katzen zum Opfer.

Fortpflanzung: Sofort nach dem ersten warmen Regen Ende Februar bis Ende März, je nach klimatischen Verhältnissen und lokalen Gegebenheiten wandern die geschlechtsreifen Tiere vorwiegend nachts zu ihren Laichgewässern. Dort bilden dann die Männchen binnen drei oder vier Wochen ihre typische Wassertracht aus und balzen um die Gunst der Weibchen (beim Bergmolch näher beschrieben). Ein Weibchen legt zwischen 200 und 350 Eier an Wasserpflanzen ab, deren Blätter es mit den Hinterbeinen um die einzelnen Eier einrollt (Tütchen). Die Larven entwickeln sich entweder bis zum Herbst oder bis zum darauffolgenden Frühjahr zu lungenatmenden Jungtieren aus. Diese leben zumeist das erste Lebensjahr in ihren Geburtsgewässern, bevor sie an Land gehen. Mit gewöhnlich drei Jahren werden die Tiere geschlechtsreif und verpaaren sich das erste Mal. Manche Kammmolche behalten zeitlebens ihre Außenkiemen und erlangen im Larvenstadium die Geschlechtsreife (Neotenie). Von allen einheimischen Molcharten bleiben die Kammmolche nach der Paarungssaison am Längsten in den Gewässern, bevor sie an Land gehen. Einige Tiere verbringen auch den Winter im Schlamm dieser Gewässer.

Besonderes: Während man früher annahm, dass Alpen-, Donau- und Nördlicher Kammmolch Unterarten einer Spezies (Triturus cristatus) seien, ist der Artstatus der genannten Varianten bewiesen. Man fasst die drei Arten allerdings unter der Superspezies Kammmolch zusammen - sie können untereinander lebens- und fortpflanzungsfähige Hybride bilden. So sind die Kammmolche im Berchtesgadener Land wahrscheinlich Hybride des Alpen- und des Nördlichen Kammmolchs.